Ausbildung in Bremen

Nach Abschluß des Lyceums hatte Mumu den Plan, später nach Afrika zu gehen als Hausdame/ Kindermädchen in eine deutsche Familie, eine Rolle, deren Bedeutung sie ja in ihrem eigenen Leben intensiv erfahren hatte.

Sie ist dann zu Familie Ladehoff in Herzogenwalde bei Rauschen an der Ostsee im Samland als Hauspraktikantin gegangen. Ladehoffs waren ein älteres vermögendes Ehepaar, zu denen lange Kontakt bestand (z.B. Hochzeitsgrüße und Geschenk 1938).

Sie ging dann 1933 nach Bremen, um ein Praktikum in der Frauenklinik zu machen. Bremen wurde gewählt wegen Tante Dorle, die sie ja Mami nannte und die mit ihrem zweiten Mann Wilhelm Engehausen ein großes schönes Haus hatte, wo sie auch wohnen konnte. Und die Tochter Helmtraut Kloevekorn war so alt wie Mutti.


Familie Engehausen

Über diese Zeit existiert ein schönes Buch wie ein Poesiealbum, in Leder gebunden und mit einem Schloß versehen, in das der „Freundschaftsbund“ Käte Wülfing, Gisela Hirschberg und Gerda Droß abwechselnd geschrieben haben. Sie waren 3 junge Frauen, die 1933/34 im Krankenhaus St.Jürgen angefangen hatten sich beruflich zu orientieren im pflegerischen Bereich und anfangs in der Küche arbeiten mußten. Hierzu gibt es einige Fotos (siehe hier).

Dem Freundschaftsbuch konnte ich entnehmen, dass Mumu am 4.4.1934 dort angefangen hat. Am 12.2.1935 gibt es einen Eintrag von Mumu. Die anderen hatten Bremen schon verlassen. Da Mumu damals in Süterlin schrieb – die anderen nicht -  konnte ich vieles nicht oder nur mühsam entziffern.
„Wie schnell ist nun dieses Jahr vergangen und wie schön und einfallsreich ist es gewesen. Bremen ist mir zur zweiten Heimat geworden, habe ich doch hier meinen Hans getroffen. ...“


Mumu 26.12.1934

„Es ist so etwas schönes zu wissen, von einem Menschen geliebt zu werden ... und für ihn da zu sein … In 14 Tagen hat auch mein Stündlein geschlagen … In 4 Wochen fahre ich nach Hause … Es ist ein (???) Gefühl, nach einem Jahr wieder heim zu kommen und so ganz anders als man fortgegangen ist, denn mein Zuhause ist jetzt bald wo anders. Aber ich freue mich so unbändig, wie ich mich noch nie gefreut habe.“


Mumu mit Hans Sommer 1936

Und am 17.3.35 schreibt Gisela in das Buch: „Es ist eine große Freude für uns, dass Du, liebe Gerda, nun so glücklich bist. Gestern Abend war ein großer Abend, denn unser Führer brachte die 'Wehrpflicht' heraus. Da haben wir glaube ich alle den Gedanken gehabt, jetzt Junge sein!“

Trotz der schweren Arbeit scheinen sie ein ganz gutes Leben geführt zu haben. Mumu schreibt in dem Freundschaftsbuch: „Wir drei haben so manche nette Stunde verlebt, wenn ich an unsere wöchentlichen Fahrten zu Schorf – unser Nachtlokal! – denke.“ Hierzu wieder einige Bilder (siehe hier).

Mumu ist dann 1936 nach Rodewaldt (zu Familie Rodewaldt ?) in Masuren gegangen als weitere Vorbereitung  zu einer Ausbildung und schreibt am zweiten Advent 1936 in das Freundschaftsbuch, dass nach einer zweijährigen Beziehung Hans sie „schmählich verraten“ habe. „Ihr beide wisst, wie wir langsam zusammen kamen. Ich wollte am Anfang nur Freundschaft, aber aus dieser Freundschaft wurde eine tiefe Liebe, vielleicht war sie zu tief, ich hab‘ ihm zu sehr vertraut. Und wenn ich jetzt sehe, wie mir für dieses Vertrauen gedankt wird, oh, ich weiß nicht, mir ist alle Freude am Leben genommen.“

Mumu muß sehr verzweifelt gewesen sein, dass Hans nach 2 Jahren mit ihr wieder zu seiner Jugendliebe zurückgekehrt ist. Er hatte auch schon mit ihrem Vater bei einer Reise nach Ostpreußen über eine gemeinsame Zukunft gesprochen.

Später hat Mumu dann das Folgende geschildert:
„Nach der gescheiterten Affäre bei mir mußte ich ja nun einen Beruf erlernen und ging wieder nach Bremen, wo ich in der Frauenklinik vor 2 Jahren ein Praktikum absolviert hatte. Dieses halbe Jahr wurde mir angerechnet, die Ausbildung zur Wochenpflegerin dauert 1 Jahr und so wurde ich vom 1.10.37 bis 31.3.38 verpflichtet. Diese Ausbildung war kurz, ich hatte die Hoffnung, als fertige Wochenpflegerin  nach Afrika zu kommen, da etliche Pflanzer diese Hilfen über die Bremer Frauenklinik anforderten.

So fing ich schon am 30.9.37 nachmittags bei Schwester Hedwig auf der Station an, die mochte mich sehr gerne. Sie stellte mich dann auch gleich dem diensthabenden Assistenten vor, der am Schreibtisch saß und Papiere ausfüllte. Es geschah etwas, was ich von früher nicht gewohnt war, er stand auf, um mich zu begrüßen. Bei Papi hat’s dann auch gleich gefunkt, ich war sehr ablehnend, hatte die Nase voll von den Männern. Er nahm dann jede Gelegenheit wahr, um sich mir zu nähern, zum Missfallen einiger Schwestern. Schwester Hedwig und auch Anneliese, die leitende Oberschwester, sahen das mit Wohlwollen, es war sehr schnell Klinikgespräch.
Ende März 1938 machte ich dann das Examen alleine, da ich mit Verdacht auf Diphtherie in Quarantäne lag, als die anderen dabei waren. Aber Chef und Oberarzt waren sehr wohlwollend.“


Mumu in Schwesterntracht 1938

Nach oben