Mumu und die Großfamilie

1. Mumu und ihre Geschwister

Zu ihrem 90.Geburtstag hat Mumu eine Fotocollage von Anna Dross erhalten, die einen schönen Überblick über ihre Herkunftsfamilie gibt (siehe hier).

Für Mumu war diese große ostpreußische Familie von großer Bedeutung, sie hat intensiv Anteil genommen an deren Leben, auch von ihren Nichten und Neffen. Sie wußte immer Bescheid, wie deren Situation gerade war, was in deren Leben los war. Und ihr war auch wichtig uns darüber zu berichten, wobei sie sehr verschwiegen sein konnte. Es zeigt ihr Zuhörenkönnen und ihre Empathie, dass einige der Nichten und Neffen  immer wieder den Kontakt zu ihr gesucht haben für längere Gespräche. Sie war auch sehr glücklich, wenn die Dross-Familie zahlreich zu ihren runden Geburtstagen erschien.


Geschwistertreffen bei Randel 1986

Weitere Fotos von Mumu und ihren Geschwistern findet Ihr hier.

Sie hat immer wieder betont, wie sehr sie bedauert, dass sie bei zwei Familienereignisse nicht dabei war, an denen sie sich nicht gegen Opa durchgesetzt hat. Bei der wunderschönen Hochzeit von Winrich und Tulia in Hamburg mit einem Festessen bei Jacob an der Elbchaussee waren Mumu und Opa verreist und sie konnte ihn nicht überzeugen, wenige Tage früher zurück zu fahren, um mitfeiern zu können. Sie hat sich später oft vorgeworfen, dass sie nicht darauf bestanden hat.

Bei der Reise der Dross-Geschwister nach Ostpreußen Anfang der 80iger Jahre wollte Opa nicht, dass sie mitfährt, das halte sie gesundheitlich gar nicht durch. Auch dieses Nachgeben hat ihr nicht gefallen und sie hat eine viel spätere Reise in ihre Heimat sehr gut bewältigt.

Treffen der Dross-Familie fanden statt wenn Winrich aus Argentinien in Deutschland war, Mumu hat sich immer sehr darauf gefreut.

Ich bin mir sehr sicher, dass Mumu sich sehr freuen würde über die Kontakte, die es auch nach ihrem Tod in der Dross-Familie gibt. Der Besuch von Siegmanns und mir in Argentinien ist nur ein Beispiel.


Rike, Axel, Winrich, Renate und Eckart in Buenos Aires 2006

2. Mumu und Opa

Ich habe mit meinen Geschwistern und deren Ehepartnern immer mal wieder über das Zusammenleben unserer Eltern gesprochen. Ich möchte einige dieser Einschätzungen hier widergeben – aneinandergereiht und ohne Quellenangabe.

Mumu war ihrem Herrn unterwürfig -  Es war nicht immer leicht für sie – Mumu war abhängig von Opa, hat viel zu oft einen Rückzieher gemacht, aber sie war auch in der Beziehung zu ihm eine starke Frau - Als starke Frau hat Mumu viel ertragen können - Sie hat sich untergeordnet und unter Manchem auch gelitten – Ein typischer Ausspruch von Mumu war: Papi wollte das ja nicht – Opa hat ihr viele schöne Sachen gekauft, er kam nach Hause und sagte: Ich habe was für Dich gesehen, laß uns mal ausprobieren, ob Dir das steht und gefällt – Mumu war meist elegant, gut angezogen und gepflegt – Mumu hat sehr bedauert, dass sie keine Reisen mit den Kindern gemacht hat, Opa war dagegen.

Ich bin überzeugt, dass es Mumu mit Opa letztendlich wohl ganz gut miteinander ergangen ist. Er hat sie – auf seine Art – auf Händen getragen und das hat sie gespürt. Er war – besonders in den letzten Jahren – ohne sie relativ hilflos, nicht körperlich sondern psychisch. Zu mir hat er mal gesagt, eigentlich sei sie die Herrin, er mache doch alles was sie will.

Die Fotos von Mumu und Opa zeigen die Nähe zueinander, die beide sicher sehr intensiv erlebt haben.


Mumu und Opa am 25.5.1993 (55.Hochzeitstag)

Weitere Fotos von Mumu und Opa siehe hier.

Es sind einige Briefe von Opa an Mumu erhalten, die am besten zeigen, wie eng seine Bindung an oder wie groß seine Liebe zu Mumu war. Besonders bewegend erscheint mir der Brief von 1973, den sie erst nach seinem Tod öffnen sollte und erst 1994 gefunden hat.

Unter Mumus Unterlagen fanden sich auch Reden von Opa auf sie aus Anlaß von Geburtstagen, die eine ist zeitlich leider nicht genau zuzuordnen. Und Mumu hat Notizen aufbewahrt, die Gedanken auf eine Rede zu ihrem 80. Geburtstag enthalten – er konnte sie nicht mehr halten, da er zwei Wochen vorher verstorben ist.

Und es gibt eine wunderbare Erklärung von Mumu, die sie offensichtlich nach einer Kontroverse verfaßt hat (siehe hier).

3. Mumu und ihre Kinder

Die folgenden Portraits sind die Fotos, die Mumu immer in ihrer Brieftasche von ihren Kindern bei sich hatte.

Rike hat mal gesagt auf die Frage, warum sie sich jahrelang so intensiv für Abu (einen jugendlichen unbegleiteten Flüchtling aus Togo) engagierte: Sie habe eine so schöne Kindheit gehabt, davon möchte sie anderen was abgeben.
Wir können uns heute kaum vorstellen, was Mumu körperlich und vor allem seelisch geleistet hat. Im Krieg hatte sie als noch nicht Dreißigjährige die Verantwortung für 3 kleine Kinder, Opa war weit weg als Soldat und sie wußte nicht, ob er überhaupt wieder kommen wird. Und sie wußte nicht, ob sie in den Bombenächten auf Hamburg überleben wird. Nach dem Krieg gab es den kalten Jahrhundertwinter ohne ausreichend Nahrung und Wärme und sie mußte die Kinder satt bekommen und für warme Kleidung sorgen. Sie hat oft bis spät in die Nacht geflickt und genäht. Wie viele Frauen in dieser Zeit hat sie Überragendes geleistet. Sie hat das nie besonders hervorgehoben, für sie war es einfach selbstverständlich.
Mumu war immer präsent, sie hatte das Mittagessen gekocht, half bei den Schulaufgaben, richtete die Kindergeburtstage aus und beklagte sich nie, dass alles zu viel sei. Sie hat sich für alles interessiert, hätte oft gerne mehr Zeit gehabt für die Bedürfnisse ihrer einzelnen Kinder. Opa war meist abwesend, konnte wohl auch mit den vielen Kindern nicht so viel anfangen, war mehr für den Leistungsbreich in der Schule zuständig. Er ist aber nie zu Elternabenden gegangen, auch das mußte Mumu machen – wo sie nie ein Wort gesagt hat, da sie sich nicht traute.
Über sehr viele Jahre wurde Mumus Geburtstag am 2. Weihnachtstag mit einem festlichen Abendessen der gesamten Familie Gebhardt bei „Randel“ in Sasel begangen, das hörte erst auf als die Enkel kamen. Nach meiner Erinnerung war dieses Essen das einzige Ereignis, an dem Mumu und Opa und die vier Kinder alle zusammen regelmäßig etwas unternommen haben. Für Mumu war das ein sehr wichtiger Tag, an dem wir alle natürlich auch anwesend waren. Der 26.12. als Tag des Familientreffens wurde beibehalten. Mumu hatte Angst, dass dies mit ihrem Tod eingestellt würde - wir haben es geschafft, ihrem Wunsch entsprechend das Familientreffen am 26.12. fortzusetzen, an wechselnden Orten und in unterschiedlicher Größe.
An Mumus 83. Geburtstag am 26.12.1997 habe ich Fotos von den einzelnen Familien mit Mumu gemacht. Da Annica 1997 nicht dabei war, ist das Siegmann-Foto von 1998.


Mumu mit Gebhardts

Mumu mit Bluncks

Mumu mit Siegmanns

Mumu hat alle ihre Schwiegerkinder sehr ins Herz geschlossen und sie mit offenen Armen in die Familie aufgenommen. Ich glaube, alle haben sich unter den vielen Gebhardts auch ganz wohl gefühlt. Auch zu den Schwiegermüttern bestand ein guter Kontakt.


Mumu mit Eva und Annemie

Wir haben nach Mumus Tod etwas sehr Bewegendes erlebt. Dass sie alles wohlgeordnet hinterlassen würde, um den Kindern keine Arbeit zu machen, wußten wir. Wir fanden dann einen Brief „Für meine Kinder“, den sie 1999 mit dem Vermerk „Erst nach meinem Tod zu öffnen“ geschrieben hatte (siehe hier). Als wir den gemeinsam gelesen haben, hatten wir alle Tränen in den Augen.

Mumu war der geliebte Mittelpunkt unserer Familie, wie wir es auch in der Todesanzeige geschrieben haben.

4. Mumu und ihre Enkel

Alle sind sich einig: Mumu war eine tolle Oma!
Mumu und Opa haben sehr lange auf das erste Enkelkind gewartet. Das häufige Nachfragen auch früher von Patienten hat sie ziemlich genervt. Dann kam endlich am 29.12.1973 Christian – ein Bremer wie Mumu. Die Freude war riesengroß und Christian war ab jetzt der Schönste, Klügste und Niedlichste.
Mumu war auf alle Enkel sehr stolz, freute sich über alle Treffen und hat mir nach Berlin immer ausführlich über deren Entwicklung berichtet. Gerne ist sie mit den gut aussehenden groß gewachsenen Nachkommen in der Öffentlichkeit gewesen, sei es in der Parkresidenz oder z.B. mit den Enkelinnen in der Condi des Hotel Vierjahreszeiten. Aber sie hat sich auch zurückhalten können, Fremden über ihre Enkel zu berichten. Sie hat gespürt, dass Neid oder Verdacht des Angebens entstehen  könnten im Seniorenheim, da es so beneidenswert geringe Probleme mit ihnen gab. Das Vertrauen der Enkel in Mumu war sehr groß, sie sind immer mal wieder zu ihr gekommen, um neue Freundinnen vorzustellen oder um das Herz auszuschütten. Das war manchmal sehr schwierig für sie wenn es gravierende Konflikte mit den Eltern gab und sie zur Entspannung beitragen mußte.

Von einem Ausflug in den Wald gibt es ein schönes Foto mit den fünf Enkelkindern, die 1982 schon da waren.


Mumu mit Enkeln im Wald

Da Mike und Moritz damals noch nicht geboren waren, hier ein Foto von Mumu mit ihnen.


Mumu mit Mike und Moritz 1989

Die Enkel waren zeitweilig natürlich auch richtig wilde Kerle, aber Mumu hat sicher auch damit gut umgehen können.


55. Hochzeitstag - Matthias, Stephan, Frekki

Große Freude haben ihr die Enkel immer gemacht, wenn sie musiziert haben. Zur Goldenen Hochzeit gab es ein Ständchen von 5 Enkelkindern, die gemeinsam etwas eingeübt hatten. Leider fehlt Matthias auf dem Foto.


1988 Goldene Hochzeit - die Enkel musizieren

Und Christian hat auf ihren Wunsch bei der Trauerfeier für Opa Zuhause ein berührendes Cello-Konzert gespielt.

Die Erinnerungen der Enkel an Mumu lassen sich gut ablesen in unserem „Spiel“ zu ihrem 90.Geburtstag (siehe hier). Danach hat sie viel mit ihnen unternommen.

Die jeweils am 26.12. zu Mumus Geburtstagen aufgenommenen Enkelfotos sind leider nicht lückenlos über die Jahre zu finden.


Mumu mit Enkeln 2004

Weitere Fotos mit den Enkeln siehe hier.

Die inzwischen 9 Urenkel hat Mumu leider bis auf Toni nicht mehr erleben können. Wenige Monate vor ihrem Tod gelang es am Tag nach der Hochzeit von Annica drei Frauengenerationen mit dem Kleinen gemeinsam auf einem Foto zu vereinen.


2005 - 4 Generationen auf einem Foto

Ein Foto  möchte ich noch einfügen, das lange nach Mumus Tod gemacht wurde. Es stammt vom 70.Geburtstag von Rike, als sich die gesamte große Familie Siegmann auf Rügen traf – Mumu hätte große Freude an diesen und den anderen vier Urenkeln gehabt.


Rikes 70. Geburtstag 2013

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