Zeichen 377

Autobahnkiosk

Des nachts auf deutscher Autobahn,
den Wagen lenkend halb im Wahn,
und unsre Nerven völlig blank,
der Blick ganz trübe, irre, krank,
der Fuß bleischwer am Gaspedal,
die Welt ein Nebel, nicht real,
die Lippen fest gebissen, stumm,
das Hirn schon im Delirium.

Die Ehefrau im Beifahrsitze,
noch immer gut für manche Spitze,
im Fonds die Bälger munter balgen,
(man wünscht sich alle an den Galgen),
im Rücken das Licht der Halogene,
bedrohlich wie des Haifisch Zähne,
und wir am Steuer nur noch gähnend,
inbrünstig schon das Ziel ersehnend.

Doch plötzlich, wie von Geisterhand,
dies Schild da vor uns steht, nein stand,
denn weiter rast des Wagens Lauf -
War da nicht eine Tasse drauf ?
Das Schild mit dieser schwarzen Tasse,
die herrlich groß und dabei schlicht,
uns eine bessre Welt verspricht,
am Rande dieser Autotrasse.

Jetzt noch das Steuer rechtsrum reißen,
Bremse, Frau und Kinder kreischen,
Der Wagen steht, es ist geschafft,
Ins Rasthaus rein mit letzter Kraft,
Die Ehefrau muß gleich aufs Klo,
die Kinder geh'n nach irgendwo,
und wir woll'n endlich Kaffee haben,
damit sich unsre Nerven laben.

Es rinnt der Kaffee durch die Kehle,
als wäre dort der Platz der Seele,
und gierig spüren wir die Wärme,
bis tief hinein in die Gedärme.
Schon nach den ersten zwei, drei Schlücken,
will uns ein kleines Glück beglücken,
wir nehmen uns ganz plötzlich wahr,
wir sind ganz einfach wieder da.

Da draußen mögen andre rasen,
gleich wie die angeschossenen Hasen,
wir aber LEBEN, kaffeeschlürfend,
des weiteren nichts mehr bedürfend,
und gucken klaglos auf den Grund
der Tasse, die, entleert in unsern Schlund,
noch immer wohlig Wärme spendet.
Der Lieben Ankunft dies beendet.

TB